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15.9.2009 von Peter Mioch.

13.09.2009
Liebe Marie,
hier scheint heute zum ersten Mal ein wenig der Herbst durch. Das Licht hat sich über Nacht verwandelt. Schwere Wolken ächzen unter einem ausgefransten Himmel, die Blätter beginnen zaghaft, sich von ihrer Vergangenheit zu trennen, nehmen unerhörte Farben an und der Wind, ja der Wind, er hat die Tonart gewechselt und braust nun in deutlich tieferen Lagen. Es ist nicht mehr der Juniwind, der leicht und ungezwungen daherkam und eigentlich nur spielen wollte, wie ein jugendlicher Gefährte, verrückt und selbstvergessen.
Während dich dein Weg vermutlich immer weiter südwärts führt, geschehen hier wundersame und erzählenswerte Dinge: Schwardtmann hat im Lotto gewonnen! Schwardtmann, der erklärte Feind aller Glückspiele, Schwardtmann, ein erklärter Feind des schnellen Glücks überhaupt, hat im Lotto gewonnen!
Seit ich ihn kenne, überprüft er die Werbebriefe der Klassenlotterie allenfalls kurz auf Stil und Orthografie (eine Marotte seit seiner Korrekturleserzeit für einen Hausfrauenratgeber-Verlag), bevor er sie in den Papierkorb wirft. Du solltest ihn sehen, wie er sich aufführt, wenn ich in seinem Beisein gelegentlich einen Lottoschein ausfülle und ihn in einer Anwandlung von Vertrautheit nach seinen Lieblingszahlen frage: Lotto sei der größte Frevel auf Gottes schöner Erde (er sagt tatsächlich „auf Gottes schöner Erde”, eine seiner Lieblingswendungen), die Gewinnwahrscheinlichkeit sei ja kaum noch errechenbar, allein die Idee einer Lieblingszahl sei schon obszön, man könne schließlich keine Zahlen lieben und überhaupt gäbe es für Phänomene dieser Art inzwischen sicher Ärzte.
Was mich nie davon abhielt, zumindest eine Reihe des Scheins regelmäßig mit einer Kombination aus seinem Autokennzeichen und meiner Sozialversicherungs-Nummer zu bestücken. Nach und nach ging ich dann zu den Geburtsdaten meiner Familie und dann zu denen meiner bevorzugten Literaten über: Rimbaud, Eluard, Prevert, Lasker-Schüler, Rilke. Bert Brecht bescherte mir zweimal drei Richtige, mit Mascha Kaléko bekam ich sogar mal eine Zusatzzahl dazu, große Würfe waren mit diesem System jedoch nicht zu holen.
Um mich numerologisch inspirieren zu lassen, habe ich mich sogar mal zu Schwardtmanns überbordenden Bücherregalen geschlichen. Die Abteilung Zeitgeschichte überschlug ich und arbeitete mich dann über die zeitgenössische osteuropäische Literatur, an der Schwardtmann ohne erkennbaren Grund einen wahren Narren gefressen hat, bis zur Romantik vor. Da standen sie nun alle, teilweise in bibliophilen Ausgaben: Novalis, Hölderlin, Brentano, Uhland, Günderrode, Tieck. Obwohl wir so gut wie nie über Lyrik sprechen, ist es mir nicht verborgen geblieben, wie sehr Schwardtmann gerade die Romantiker liebt, und auch wenn ich ihn niemals an diesem Regal sehe, weiß ich doch, dass er viele dieser Gedichte zu beliebiger Tages- oder Nachtzeit auswendig hersagen kann.
Manchmal allerdings lässt er seine Schätze aufblitzen, wie letztens im Auto auf dem Weg zum Baumarkt, wo wir uns nach einer neuen Waschmaschine umsehen wollten. Während ich an Schleuderprogramme und Umdrehungszahlen dachte, öffnete Schwardtmann zwischen zwei Schaltvorgängen urplötzlich seinen Mund und murmelte: „Wolken seh ich abendwärts ganz in reinste Glut getaucht, Wolken ganz in Licht zerhaucht, die so schwül gedunkelt hatten. Ja! mir sagt mein ahnend Herz: Einst noch werden, ob auch spät, wann die Sonne niedergeht, mir verklärt der Seele Schatten.” Das sind Momente, da würde ich für ihn durchs Feuer gehen.
Vorletzten Montag, am späten Vormittag, ich hatte mir gerade ein zweites Frühstück aus Toast, Rührei und einem symbolischen Salatblatt bereitet, rief Leni Seyfert, die gute Seele der Seyfert, die gute Seele der Redaktion, an. Erinnerst Du Dich an sie? Der Rotschopf Leni und ich waren die einzigen Nieten in unserer Abiturklasse. Leni setzte das Durchfallen noch eine Weile fort, unter anderem in der Fahrschule und bei der Heilpraktiker-Prüfung, bevor sie dann einen Job als Filmvorführerin im Eden-Palast fand. In dieser Zeit entwickelte sie, wohl als Resultat aus Faszination und Vereinsamung, ihren unnachahmlichen Sprachstil, bei dem man nie genau weiß, welchen Filmszenen sie ihre Sätze gerade entliehen hat.
Ich hab Dir nie davon erzählt (warum auch?), dass Leni mich damals gelegentlich einzufangen versuchte. Zuletzt nach einer Vorstellung von „Vom Winde verweht”, den sie beim Verleih wohl zum Schnäppchenpreis bekommen hatten. Im „Chez Lisette” um die Ecke, Heimstatt vieler meist männlicher Kinogänger, die den Abspann nicht abwarten können, füllte Leni mich mit Likören aller nur erdenklichen Farbschattierungen ab, während sie mir mit theatralischer Gestik Scarletts innere Zerrissenheit schilderte. Ich war nüchtern genug, um zu erkennen, dass sie von ihrer eigenen Zerrissenheit sprach und beschloss, ihr dorthin nicht zu folgen. Auch in ihre Wohnung bin ich ihr dann nicht gefolgt, obwohl sie die Heimwegroute geschickt ausgetüftelt hatte. Vor ihrer Haustür angekommen, zurrte ich ihren Schal etwas fester und verabschiedete mich mit einem halblauten „Verschieben wir’s auf morgen”.
Als das Eden schließlich in Konkurs gegangen war, bewarb sich Leni auf eine Sekretärinnen-Stelle in Schwardtmanns Redaktion, wo sie sich inzwischen unter anderem als Mediatorin, interne Nachrichten-Agentur und Catering-Spezialistin unentbehrlich gemacht hatte.
„Hallo Houston, wir haben da ein Problem”, hörte ich jetzt ihre Stimme, tief und vertraut aus dem Hörer.
„Wir können Schwardtmann nicht erreichen, brauchen aber dringend seine Meinung.”
„Hm, ich hab keine Ahnung, wo er steckt – hier hat er sich jedenfalls zur gewohnten Zeit verabschiedet.”
„Na ja, vielleicht ist er ja im Antiquariat, sein Geld verjubeln.”
„Schwardtmann verjubelt niemals Geld.”
„Ach komm, er kann sich doch jetzt ganze Bibliotheken kaufen.”
„Wieso? Hab ich was verpasst?”
„Hat er dir denn nichts vom Lottogewinn erzählt?”
„Äh – Nein!”
„Dann sag ich’s dir jetzt: Die Redaktion hat dick abgeräumt, ein Volltreffer sozusagen.”
„Leni, wann können wir uns treffen?”
Auf diesen Satz hatte sie fünf Jahre lang gewartet.
„Gleich um eins hab ich Pause – in der Eisdiele?”
„Um eins in der Eisdiele - bis gleich.”
Selten war ich so schnell ausgehfertig. Liebknecht, der sich auf einen Schnurre-Nachmittag mit mir am Schreibtisch gefreut hatte, versuchte ich mit einer großen Portion feinster Metzger-Nierchen, die eigentlich fürs Wochenende vorgesehen waren, zu bestechen. Doch so leicht machte er es mir nicht - demonstrativ baute er sich vor der Tür auf und maunzte herzzerreißend. Glücklicherweise fiel mir die Quietsche-Maus ein, die irgendwann einmal auf nicht mehr nachvollziehbaren Wegen in unseren Haushalt gekommen war. Schwardtmann und ich hassen sie, weil sie bereits beim kleinsten Druck einen Höllenlärm macht, aber als letztes Mittel, um Liebknecht ruhig zu stellen, liegt sie stets einsatzbereit in einer der Küchenschubladen.
Das Quietschen war noch auf der Straße zu hören, als ich mich aufs Rad schwang, um zur Eisdiele zu fahren, die übrigens immer noch „Venezia” heißt und in meinem Kopf untrennbar mit Dir verknüpft ist, weil wir uns dort zum letzten Mal sahen. Es scheinen Äonen vergangen zu sein seitdem, und ich sehe uns noch, wie wir ganz gegen unsere Gewohnheit Coca-Cola trinken, sehe Dich in Deinem roten Leinenkleid mit fahriger Bewegung eine Zigarette anzünden, ich höre diese Stille, bevor Du leise sagtest, es müsse sich dringend etwas verändern in Deinem Leben. Wäre mir damals klar gewesen, für wie lange dieser Abschied sein würde, ich hätte Dir siebzehn Sätze mit auf den Weg gegeben – doch davon vielleicht später einmal mehr.
„Wie siehst du denn aus, biste gerannt?” begrüßte mich Leni, die sich ganz konspirativ in den hintersten Teil des Eiscafes zurückgezogen hatte. „Und du konntest wohl keinen abgelegeneren Tisch finden? Da braucht die Bedienung ja nen Falk-Plan”, flachste ich zurück. „Man will schließlich nicht hinterrücks erschossen werden.” Keine Ahnung, aus welchem Film sie diesen Satz hatte, aber hinreißend wie sie aussah, würde sie heute ganz sicher niemand erschießen. Ihre großen braunen Augen glänzten, während sie mich scannten, und das halblange rote Haar, dem sie offenbar eine Extraportion Farbe spendiert hatte, fiel in lustigen Strähnen auf den Kragen ihrer schwarzen Lederjacke, von der sie sich seit Menschengedenken nicht winters und nicht sommers trennte.
Wir bestellten Kaffee und jeder dazu einen Amaretto-Becher, die Spezialität des Hauses, während Leni mich ohne große Umschweife auf den Stand der Dinge brachte. Es war im Mai, als man ihren Geburtstag in der Redaktion feierte und nach dem obligatorischen Sekt im Stehen inklusive der Gruppengesangseinlage allmählich zu den härteren Getränken überging. Die Gespräche seien so dahingeplätschert, und über allerlei Umwege sei man schließlich auf den mysteriösen Lottogewinner aus der Nachbarstadt gekommen, der es seit nunmehr drei Jahren geschafft hatte, anonym zu bleiben. Schwardtmann habe gemeint, ein Lottogewinn in dieser Redaktion würde exakt so lange anonym bleiben, wie ein Mensch mit durchschnit-tlicher Feinmotorik brauche, um nach dem Öffnen eines Briefes eine Handynummer zu wählen. Worauf die große Viertelstunde des Sportredakteurs und notorischen Glückspielers Freddie Lierken angebrochen sei. Hehe, das käme doch wirklich auf einen Versuch an. Schon lange frage er sich, wieso man nie eine Tippgemeinschaft gegründet habe. Und überhaupt seien sie als Schreiber unverschämt unterbezahlt, das sei kein Zustand, das sei blanker Irrsinn, eine Ka-ta-stro-phe sondergleichen und deshalb sei er dafür, jetzt und hier und sofort eine Tippgemeinschaft ins Leben zu rufen, deren organisatorischer Kopf zu sein er sich nicht zu schade wäre. Dabei habe Freddie gleichsam als Beweis seiner bedingungslosen Entschlos-senheit gefährlich fest an seinem grauen Backenbart gezogen.
Leni hielt inne, um zu testen, ob ich noch bei der Sache war. Ich nutzte die Pause und nippte kurz an meiner Kaffeetasse: „Und weiter? Was sagte Schwardtmann?” Sie nahm eine ihrer filterlosen Zigaretten aus der Schachtel, umfasste unendlich langsam das Feuerzeug, als müsse sie es erst zur perfekten Form modellieren, damit es zum Einsatz kommen konnte, zippte daran und inhalierte das Gift ihrer Zigarette so laut, dass man es vermutlich noch draußen auf der Straße hören konnte. Dann lehnte sie sich gemächlich in ihre bequeme Erzählposition zurück und schaute mich an - sie hatte den Kniff raus, mich jäh ins Leiden zu stürzen.
Es dauerte eine gefühlte Atlantiküberquerung, bis sie sich entschloss, ihre Stimme wieder zu benutzen. Schwardtmann sei in seinem neuen grauen Anzug, in dem er übrigens, und dabei huschte eine Spur von zärtlichem Spott über ihr Gesicht, wie ein selbstvergessener Konfirmant aussehe, umhergestakst und in ein „Ich nicht, mit mir nicht, nein!” ausgebrochen. Sie, Leni, habe sich Schwardtmann daraufhin verbal und auch staksend angeschlossen, sie hätten gemeinsam einmal den Raum durchquert und sich dann, zurück an Freddies Schreibtisch, mit zwei frisch eingeschenkten Grappas konfrontiert gesehen.
„Leni”, unterbrach ich sie, „wir alle wissen, dass Schwardtmann keinen Schnaps verträgt.”
“Er selbst streitet es vehemt ab, aber jeder weiß es”, gab sie zurück, „doch es war bereits zu spät, ihn zu stoppen.”
Ihr jedenfalls sei nach diesem Grappa vor Freddies Schreibtisch ganz absonderlich geworden, was sie bald darauf bewogen habe, in ihre Lederjacke zu steigen und den Ort des Geschehens zu verlassen. Alle Berichte vom weiteren Verlauf des Abends stützten sich auf die Erinnerung von Nina, der Dauerpraktikantin aus dem Leserbrief-Ressor. Diese könnten aber als gesichert gelten, da Nina nach dem Begrüßungssekt nur noch Pfirsich-, Maracuya- und Apelsäfte getrunken habe.
Demnach habe Schwardtmann nach ihrem, Lenis, Verschwinden vor Freddies Schreibtisch eine militärische Haltung angenommen, die Hacken aneinandergeschlagen und mit rollendem „R” noch drei weitere Grappas verlangt, die er augenblicklich zu sich genommen habe.
Daraufhin habe er „Alles auf den Boden!” gebrüllt, urplötzlich eine Stoppuhr gezückt und die noch Anwesenden, nämlich Freddie, Nina und die Redaktuere Aberkorn und Schimmel genötigt, auf allen Vieren durch den Raum zu robben. Nach dem Stoppen der Runde habe er „Bingo!” gerufen, sei an seinen Arbeitsplatz geeilt und habe minutenlang die Grundrechen-arten bemüht und dabei etwas von Quersummen, Primzahlen, Wurzeln und Logarythmen gemurmelt.
Schließlich sei er aufgesprungen und habe Freddie mit den Worten „Unsere Zahlen!” einen kleinen Zettel überreicht. Freddie habe daraufhin zunächst Schwardtmann und dann die Zahlenreihe ungläubig angestarrt, jedoch schnell sein Pokergesicht wiedergefunden und von allen Beteiligten eine sofortige Vorauszahlung für ein halbes Jahr gefordert. Nina, die einen letzten Versuch unternommen habe, sich herauszuwinden, sei von Schwardtmann barsch unterbrochen worden, sie solle sich nicht so anstellen, da müsse man jetzt gemeinsam durch,
es gäbe schließlich Schlimmeres im Leben. Worauf er dem erstaunten Freddie mit den Worten „Für Nina mit - Wechselgeld kann ich nicht gebrauchen” einen großen Schein in die Hand gedrückt habe.
Während Leni noch erzählte, hatte ich per Handzeichen frischen Kaffee für uns bestellt.
“Leni, ich fasse es nicht”. Sie schaute angestrengt auf ihre Armbanduhr. „Niemand kann das fassen, am allerwenigsten Schwardtmann. Es wurde nicht mehr über diesen Abend gesprochen, allen war es irgendwie peinlich. Nur Freddie zog mich mal am Ärmel und raunte mir zu, Schwardtmann sei absolut filmreif gewesen. Ich hätte definitiv was verpasst.”
Sie transportierte umständlich zwei gehäufte Löffel Zucker in ihren Kaffee.
„Es plätscherte alles so vor sich hin. Bis zum letzten Mittwoch, als Freddie gleich in der Früh alle Beteiligten und mich unter einem Vorwand ins Besprechungszimmer lotste, wo er ohne Umscheife zur Sache kam und die Nachricht von sechs Richtigen überbrachte. Ohne Zusatzzahl und ohne Superzahl liegt die Quote bei sage und schreibe Neunhundert-achtundzwanzigtausend und ein paar Kaputten! Es hatte wohl niemand außer Freddie die Zahlen verglichen, denn es herrschte erstmal ungläubiges Staunen, bevor sich alle in den Armen lagen. Du hättest Schwardtmann und Nina sehen sollen, die beiden erbleichten um die Wette, als hätten sie zeitgleich eine Krebsdiagnose bekommen.”
Freddie habe jedoch schnell wieder sein Pokergesicht aufgesetzt und darauf bestanden, dass sich ab heute alle Beteiligten mit den Gesetzen der Diskretion, mehr noch, mit den Gesetzen der Konspiration zu beschäftigen hätten. Wer nicht wolle, dass sie in der Redaktion künftig über sich selbst zu schreiben hätten, müsse sich jetzt extrem zusammenreißen. Und tatsächlich habe niemand das Handy benutzt, es habe eine unspektakuläre, gelöste, aber keinesfalls euphorische Stimmung geherrscht. Nach Feierabend habe man dann gemeinsam einen Sekt aufgemacht und dabei auf Freddies Hartnäckigkeit und Schwardtmanns Zahlen angestoßen. Schwardtmann, der bei Mineralwasser geblieben sei, habe in zwei Stunden keine drei Sätze gesagt und sich mit der Begründung, er habe noch zu arbeiten, früh verabschiedet.
„Wie? Das war alles?”
Sie schaute einem der Kellner hinterher, der ein übervolles Tablett zu einem der Straßentische bugsierte.
„Was willst du hören? Mit knapp 200.000 kannst du heute deinen Job nicht kündigen, es ist allenfalls ein gutes Taschengeld. Sie sehen es eben realistisch. Und Freddie ist ganz in seinem Element, er trommelt das Trüppchen in fast jeder Mittagspause zusammen, weil die Auszahlung nun unmittelbar bevorsteht.”
„Und wie geht’s dir mit dieser Geschichte, so ohne einen Cent?”
„Ach weißt du, ich bereue nicht, draußen geblieben zu sein. Das Glück liegt doch eh woanders.”
„Wo liegt es denn, wenn ich mal indiskret fragen darf?”
Sie schien für den Bruchteil einer Sekunde zusammenzuschrecken, setzte sich dann auf und sagte: „Es sind die kleinen Dinge, die mich interessieren: die Herbstsonne, wie sie durch eine Kastanie scheint, die Erschöpfung nach einer Stunde Gartenarbeit oder eine Tasse Kaffee in netter Begleitung.” Sie sah mich verschmitzt an.
Es war fatal: Diese Sätze hätten von mir sein können.
„Oder eine verrückte Geschichte”, ergänzte ich, ohne mein Grinsen zu verbergen.
„Brauchen wir nicht alle diese Geschichten? Selbst Schwardtmann liebt sie, auch wenn er es niemals zugeben würde.”
„Stimmt”, sagte ich. „Aber was ist mit den Menschen?”
“Die Menschen bewegen sich durch die Geschichten”, sagte sie lächelnd. „Und machmal sitzt man ihnen an einem Tisch gegenüber. Was für ein Glück!”
Ich spürte, wie eine angenehme Wärme an mir hochkroch.
„Und du, was ist Glück für dich?”, fragte sie unvermittelt.
Langsam nahm ich den unbenutzten Löffel und rührte damit in meinem schwarzen Kaffee.
„Also – Glück ist zunächst mal die Abwesenheit von Leid…”
„Mister Anderson!”, fiel sie mir energisch und augenzwinkernd ins Wort. „Sind Sie ein Mensch oder eine Amöbe?” Sie lenkte meinen Blick auf ihre schmalen Finger, die jetzt eine der langen roten Haarsträhnen glatt zogen, so als wolle sie sich und mich vorbereiten auf das, was nun kommen würde.
„Glück ist mitnichten die Abwesenheit von Leid, ich behaupte sogar, es gibt gar keine dauerhafte Abwesenheit von Leid, zumindest nicht auf diesem Stern.”
„Aber wo genau liegt denn dann das Glück?”
„Das, Herr Richter…”, murmelte sie und begann, eine Zigarette aus der Schachtel zu ziehen, wobei sie auf halbem Weg inne hielt. „…ist die spannende Frage. Vielleicht ist das, was wir Glück nennen, gar kein so erstrebenswerter Zustand, sondern auch nur ein Extrem, ähnlich dem des Leids.”
Jetzt hatte sie mich getroffen. „Und was wäre deiner Meinung nach ein erstrebenswerter Zustand?”
„Es gibt nichts zu erreichen, es ist doch alles schon da”, lächelte sie wissend.
„Und was machst du genau?”
„Blumen gießen, freundlich sein, Kaffee trinken, jemanden unvermittelt umarmen.”
Und bevor ich noch den nächsten Gedanken dingfest machen konnte, war sie zu mir rangerückt und hatte die Arme um mich gelegt. Ich spürte ihre Wange an meiner, sie versprühte einen unscheinbaren, aus der Tiefe kommenden fruchtigen Duft. Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich sie einen Geldschein aus ihrer Jeans hangeln, den sie halb unter eins der kleinen Tabletts schob.
„Ich muss los, Cowboy – vielleicht setzen wir dieses Gespräch ja mal fort?”
„Aber immer gerne”, versuchte ich locker zu antworten.
Sie sagte nichts mehr und ließ mir stattdessen einen Blick da, den ich nicht von ihr erwartet hätte. Und damit huschte sie an den Kellnern vorbei zum Ausgang. Ich konnte ihr leuchtendes Haar noch eine Weile verfolgen, bis es irgendwo zwischen den Köpfen in der Fußgängerzone verschwand.
Wenn du mir, liebe Marie, bis hierhin gefolgt bist, weißt du natürlich, wohin es mich nach dieser denkwürdigen Begegnung zog. Richtig, ich radelte in „unser” Wäldchen, wo wir so oft ganz ähnliche Gespräche über Glück geführt haben, hoch oben in den Bäumen, gefährlich hoch, aber wie ich heute weiß, zu hoch, um abzustürzen.
Die unteren Äste sind inzwischen abgebrochen, so verzichtete ich auf eine halsbrecherische Besteigung und lehnte mich stattdessen an eine der Buchen. Was war geschehen, warum war ich so aufgewühlt? Leni hatte, ohne von unserer tiefen Verbindung zu wissen, genau dort angeknüpft, wo wir uns damals verloren. Ihre Theorie von Glück und Leid besaß etwas revolutionär Einfaches und gleichzeitig Schlüssiges, das mich, und das spürte ich nun immer deutlicher, von einer tonnenschweren Last befreite. Aber es war auch verwirrend schön, ihre Nähe zu spüren, ihre Haut und diesen Blick, der nur für mich bestimmt zu sein schien. Ich genoss den frischen Wind, der die Blätter durchschüttelte, und mit der selben rätselhaften Kraft wurde mein Denken geschüttelt. Schwardtmanns Lottogewinn und die schmerzende Tatsache, dass er ihn vor mir verheimlicht hatte, verloren spürbar an Gewicht, und ich ertappte mich dabei, wie ich plötzlich sogar mit einer gewissen Zärtlichkeit auf die Dinge schauen konnte.
Nach einer Weile machte ich mich auf den Heimweg. Schon von weitem sah ich den roten Sportwagen vor unserem Haus. Ein uralter Subaru XT, wie ich unschwer feststellen konnte, als ich näher kam. Nun war mir klar, was Schwardtmann heute getrieben hatte.
Er erwartete mich bereits am gedeckten Tisch, funkelnagelneu eingekleidet, in Jeans, maritimblauem Oberhemd und bestens gelaunt.
„Hunger?”, fragte er mehr obligatorisch als interessiert.
„Klar doch”, gab ich zurück.
„Ich hab gedacht, ich mache uns eine Gemüsesuppe. In zehn Minuten müsste sie soweit sein.”
„Schöner Subaru”, nahm ich das Gespräch vorsichtig auf.
“Ja, es ist ein Turbo. Ich konnte ihn günstig bekommen. Eins der schicksten Modelle auf Gottes schöner Erde.”
Er entkorkte einen Châteauneuf-du-Pape – ein für seine Verhältnisse ungeheurer Vorgang, tranken wir diesen kostbaren Saft doch sonst nur zu den allerhöchsten Festlichkeiten.
Langsam und halblaut robbte er sich nun ans Thema heran. „Du weißt also Bescheid?”
„Ja, Leni hat mir alles erzählt.”
Ich schmunzelte innerlich, weil ich gespannt war, wie er den Knoten auflösen würde.
„Hör mal”, begann er zögerlich, während er die Gläser füllte, „ich wollte dich nicht ausschließen, mir war es einfach etwas peinlich, dich damit zu konfrontieren.”
Nun hätte ich losprusten können. Er meinte natürlich, dass es ihm peinlich war, sich selbst damit zu konfrontieren.
„Du weißt doch, dass ich mit sowas eigentlich nichts anfangen kann. Ich bin da in etwas reingeschlittert, aus dem ich nicht mehr rauskam.”
“Nichts daran braucht dir peinlich zu sein”, sagte ich und nahm mein Glas. „Wie wär’s, wenn du einfach dazu stehen könntest? Im Lotto zu gewinnen ist schließlich kein Straftatbestand, soweit ich weiß.”
“Ich hatte mir ja auch vorgenommen, es dir zu sagen, sobald mir alles ein bisschen klarer ist.”
„Und? Hast du nun mehr Klarheit?”, fragte ich schmunzelnd.
Er hob sein Glas, lächelte, und prostete mir zu.
„Ich glaub schon.”
Da war es wieder, dieses neue zärtliche Gefühl. Ich verspürte keine Lust, weiter in ihn zu dringen. Wir stießen an und ließen diesen wunderbar fremd schmeckenden Tropfen die Kehlen und Schleimhäute kitzeln. Kein Zweifel: die Stimmung war entspannt.
„Ach”, unterbrach Schwardtmann die Stille, „Ich hab da noch was für dich.”
Er griff nach seinem alten Pilotenkoffer, ließ die Schlösser aufschnappen und entnahm ihm ein kleines braunes Päckchen.
“Na los, schnür es auf.”
Ich löste die Schleife des dünnen Bindfadens und hielt einen knallroten Rollkragenpullover in Händen – Handarbeit, wie ich gleich sah. Mit dem in der Mitte eingestrickten weißen Kreuz sah das Ganze wie eine Schweizer Flagge zum Anziehen aus.
“Dank dir - wie bist du denn darauf gekommen?”, fragte ich ihn, ehrlich gerührt.
“Ganz einfach”, sagte er, während sein Ausdruck plötzlich ernst und konzentriert wirkte.
“Du bist die neutralste Instanz in meinem Leben. Und das ist auch gut so.”
Dieser Satz kam aus dem undefinierbaren Labyrinth der schwardtmannschen Tiefe und rührte uns beide fast zu Tränen. Aber Schwardtmann wäre nicht Schwardtmann, wenn er nicht gleich darauf aufgesprungen und „Die Suppe, die Suppe!” gebrüllt hätte. Während er in der Küche verschwand, streifte ich den neuen „Schweizer”-Pulli über und rannte zum Spiegel. Wer hätte gedacht, dass Schwardtmann mir jemals ein Kleidungsstück schenken würde, noch dazu so ein bizarres?
Die Gemüsesuppe war vortrefflich, und wir leerten sogar noch eine zweite Flasche Châteauneuf-du-Pape, während Liebknecht sein Fell an den Beinen von Schwardtmanns neuer Jeans rieb und ich mir in aller Ruhe die Alternativ-Version der Ereignisse erzählen ließ.
Du kannst dir denken, dass Schwardtmann erwartungsgemäß keine Erinnerung mehr an seinen großen Auftritt in der Redaktion hatte - aber das war ja nun Schnee von gestern.
Zwischendurch, als Schwardtmann abwechselnd von seinem neuen Subaru und der frisch bestellten Rilke-Erstausgabe schwärmte, flocht ich die Frage ein, was denn nun eigentlich Glück für ihn bedeute. Er sah mich kurz an, nahm einen Schluck und sagte: „Und morgen gibt’s dann Gulasch, nicht wahr?”
Ja, Marie, so ist das. Nicht nur der Frühling, auch der Herbst macht scheinbar alles neu. Jedenfalls sind hier offenbar eine Menge Dinge im Fluss – hoffe, bei dir auch? Ich schicke, solange ich nichts Gegenteiliges von dir höre, alle Post nach Faro.
Sei gut zu dir!
*Dirk*
P.S.: Man glaubt es kaum, habe doch eben in der Küche, halb unter der Brotschneidemaschine versteckt, einen kleinen unscheinbaren Zettel gefunden. Darauf lese ich, in Schwardtmanns bester Handschrift: „Für D. - Glück ist der tägliche Versuch, dem inneren Tier zu entkommen”.
Download aktueller Brief an Marie vom 13.09.2009 als pdf-Datei: Dirk Schulte - Brief an Marie - 13.09.2009
Download früherer Briefe an Marie als pdf-Datei: Dirk Schulte - Brief an Marie - 27.07.2009
Download aller bisher erschienenen Briefe an Marie als pdf-Datei: Dirk Schulte - Briefe an Marie - Archiv - Stand 13.09.2009
© Dirk Schulte, 2009 Nachdruck, auch auszugsweise, gerne, aber nur nach vorheriger
Genehmigung durch den Autor.
Kontakt: briefe-an-marie@dirk-schulte.net
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1.9.2009 von Peter Mioch.
Sicher im Schrank
Irgendwo in meiner Dachkammer
habe ich einen Schrank
Hinter der Tür hängen Jacken und Hosen
in tadellosem aus der Mode gekommenem Schnitt
Eine Schublade für die Unterhosen und Socken
mit einem doppelten Boden
darunter, wo keiner sucht
liegt ein noch nie gelesenes Gedicht
Ein Gedicht über Frieden und Recht
Ein Gedicht das die Welt retten kann
oder zerbrechen kann
im Grunde ungefährlich
es sind schließlich nur Worte
aber jeder spricht über das Gedicht
ist bereit weitgehende Schlussfolgerungen
damit zu verbinden
Ich lasse das Gedicht nicht los
weil es zur Diskussion stellt
woran wir hier heilig glauben
die Menschen sind noch nicht so weit
es gab schon Tote die für weniger gefallen sind
letzt fragte sich jemand im TV
ob es das Gedicht wirklich gibt
ich zweifle keinen Moment daran
habe die Worte selbst gefangen
weiß, wo sie liegen
unter den Socken und den Unterhosen
nur wahrscheinlich irgendwo anders
wenn jemand danach sucht
©Harry Zevenbergen (Stadtgedicht vom 13. Mai 2008), ©Übersetzung: Peter Mioch
-
Veilig in de kast
ergens op mijn zolderkamer
heb ik een kast
achter de deur hangen jacken en broeken
van onbesproken snit
een la voor de onderbroeken en de sokken
met een dubbele bodem
daaronder waar niemand ooit komt
ligt een gedicht dat nooit gelezen is
een gedicht van vrede en recht
een gedicht dat de wereld kan redden
of kan breken
in wezen ongevaarlijk
het zijn ten slotte slechts woorden
maar iedereen praat over het gedicht
is bereid er vergaande conclusies
aan te verbinden
ik laat het gedicht niet los
omdat het ter discussie stellt
waar wij hier heilig in geloven
de mensen zijn er niet aan toe
er zijn doden gevallen om minder
laatst vroeg iemand op tv zich af
of het gedicht wel bestaat
ik twijfel daar geen moment aan
heb de woorden zelf gevangen
weet waar ze liggen
onder de sokken en de onderbroeken
maar waarschijnlijk ergens anders
wanneer iemand er naar komt zoeken
©Harry Zevenbergen (Stadsgedicht vom 13. Mai 2008)
Harry Zevenbergen ist Schriftsteller und Performer. Er war von Mai 2007 bis Mai 2009 Stadtdichter von Den Haag und ist sowohl alleine als auch in der Poesie-Pop-Gruppe D.O.M. aktiv. Sein Werk ist humorvoll, gefühlvoll, provozierend, absurd und engagiert. Mit rund neunhundert Auftritten in den letzten 12 Jahren, davon rund hundert in England, Schottland und Irland, begeisterte er sein Publikum.
Zusammen mit Adriaan Bontebal war er 2001 bis 2007 das Kolumnisten-Duo Zevenbal. Die beiden veröffentlichten täglich eine Internetkolumne, schrieben Sportkolumnen für Radio West (Regionalsender in der Provinz Südholland) und für ”De Barrage” (Literarisches Sportprogramm). Darüber hinaus erscheinen von Harry Zevenbergen seit 1996 in folgenden Zeitungen und Zeitschriften Kolumnen: Ravage Digitaal, Konfrontatie Digitaal, Vredesmagazine (Friedensmagazin), WM - Wieler Magazine (Rennrad Magazin). Er schrieb außerdem Geschichten für die Fußballzeitschrift “Johan” und für New Folks Sounds.
Am 17. Mai 2004 debütierte er mit dem Gedichtband Punk in Rhenen, der bei der Uitgeverij Papieren Tijger (Verlag Papiertiger) erschien. De Witte Uitgeverij in Leiden (Verlag De Witte) veröffentlichte am 22. Januar 2009 sein zweites Buch Paal in Wegdek (Poesie und Kurzprosa). September 2009 wird bei Uitgeverij de Nieuwe Haagse das Buch “Vacantiethuis.nl” mit Stadtgedichten und einer DVD mit Stadtpoesieclips erscheinen. Gedichte von Harry Zevenbergen finden sich außerdem in vielen Anthologien, Zeitungen und in der Wielerstijdschrift De Muur.
Im Herbst 2007 erschien sogar eine Sonderausgabe der Nepalesischen Zeitschrift Pratik mit niederländischer Poesie, die Harry Zevenbergen als Gastredakteur zusammenstellte. Zuvor stellte er die Anthologien Van haagse dichters die voorbijgaan (Von Haager Dichtern die vorbeigehen, BZZToH, 2001) und War on war, gedichten geen bommen (War on war, Gedichte keine Bomben, Uitgeverij Papieren Tijger, 2003) zusammen.
Neben seiner eigenen Arbeit organisiert und präsentiert Zevenbergen literarische Abende und gibt Workshops/Unterricht in Schulen, Nachbarschaftszentren, für Festivals wie Young Artcircus (Beverwijk), Crosslinx (Utrecht/Enschede), Poëzie op Pootjes, das Haganumfestival (der Schulslam) und für das Korenhuis.
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Harry Zevenbergen is Schrijver/performer en voormalig stadsdichter van Den Haag (mei 2007-mei 2009). Hij is behalve solo ook actief in de poëziepopgroep D.O.M. Zijn werk is vol humor, gevoelig, provocerend, absurdistisch en geëngageerd. Hij trad in de afgelopen 12 jaar zo´n 900 keer op, waarvan ruim 100 keer in Engeland, Schotland en Ierland.
Met Adriaan Bontebal vormde hij tussen 2001 en 2007 het columnistenduo Zevenbal. Naast een dagelijkse internetcolumn schreef het tweetal columns voor Radio West (over Tour de France en voetbaltoernooien) en voor de Barrage (literair sportprogramma in het Paard). Verder heeft hij sinds 1996 een vaste column in Ravage (digitaal), columns in Konfrontatie digitaal en het Vredesmagazine en sinds september 2006 in Wieler Magazine (WM). Hij schreef verhalen voor voetbalmagazine Johan en New Folk Sounds.
Op 17 mei 2004 debuteerde hij met de gedichtenbundel ´Punk in Rhenen´ bij uitgeverij Papieren Tijger. 22 januari 2009 verscheen bij De Witte Uitgeverij in Leiden ´Paal in Wegdek´ (poëzie en kort proza) en in september verschijnt bij het Haags Publicatiefonds/Uitgeverij de Nieuwe Haagse ´Vakantiethuis.nl´ met stadsgedichten en een dvd met stadspoëzieclips. Gedichten van Harry verschenen bovendien in vele bloemlezingen, kranten en wielertijdschrift de Muur.
In het najaar van 2007 verscheen een Nederlandse poëziespecial van het Nepalese tijdschrift Pratik, dat hij als gastredacteur samenstelde. Eerder stelde hij de bloemlezingen: ´Van haagse dichters die voorbijgaan´ (BZZToH, 2001), War on war, gedichten geen bommen (Papieren Tijger, 2003) samen.
Naast zijn eigen werk organiseert en presenteert hij literaire avonden en geeft hij workshops/lessen op scholen, in buurtcentra, voor festivals als het Young Artcircus (Beverwijk), Crosslinx (Utrecht/Enschede), Poëzie op Pootjes, het Haganumfestival (de Scholenslam) en voor het Koorenhuis.
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