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Wie Springer-Medien die Welt sahen: Online-Datenbank „Medienarchiv68“

Nachdem im Sommer 2009 ein Aufruf der Axel Springer AG zu einem „Springer-Tribunal 2009“ bei den damaligen Protagonisten der Studentenproteste erwartungsgemäß (und verständlicherweise) ungehört verhallte, kontert das Medien-Imperium nun mit einer umfangreichen Online-Datenbank zu ihrer Sicht der 68er-Bewegung.

Das Springersche „Medienarchiv68“ ist seit dem 17. Januar 2010 online und erlaubt den Zugriff auf 5900 Artikel aus: BERLINER MORGENPOST, BILD Berlin, B.Z., DIE WELT Berlin, HAMBURGER ABENDBLATT, WELT am SONNTAG, BILD am SONNTAG. Außerdem können die Springer-Blätter punktuell mit Ausgaben der Konkurrenz wie DER TAGESSPIEGEL und dem (seit 1972 nicht mehr erscheinenden) TELEGRAF verglichen werden.

Die vom Leiter des Springer-Unternehmensarchivs Rainer Laabs betreute Datenbank basiert auf Scans der Original-Artikel und beinhaltet Beiträge, Kommentare, Leserbriefe, Karikaturen, Reportagen, Glossen und Interviews zum Thema.

Pflasterstein mit Anstecker “Enteignet Springer”, Sammlung Kindheit und Jugend der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Fotograf: Andreas Praefcke                                 Pflasterstein mit Anstecker “Enteignet Springer”, Sammlung Kindheit und Jugend der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Fotograf: Andreas Praefcke

Durch das Archiv-Verfahren, nicht einzelne Artikel, sondern immer die gesamte Zeitungsseite zu scannen, kann man auch die Nachbarartikel lesen und damit einen guten Einblick in den politischen und kulturellen Zeitgeist der Mitt- und End-Sechzigerjahre bekommen.

Studentenproteste 1968 mit Wasserwerfer Daimler Benz im Bonner Haus der Geschichte, Fotograf Holger Ellgaard                         Studentenproteste 1968 mit Wasserwerfer Daimler Benz, Sammlung im Bonner Haus der Geschichte, Fotograf Holger Ellgaard

Fazit: Wer die Marschrichtung der meinungsmachenden Springer-Medien schon damals als anti-emanzipatorisch empfand, wird sich beim Lesen der Artikel in dieser Einschätzung bestätigt finden, auch wenn sich manche Emotion mit dem Abstand von über 40 Jahren relativiert. Um ein umfassendes Printmedien-Bild über die 68er-Bewegung zu bekommen, fehlt allerdings ein vergleichender Zugriff auf Artikel der linksliberalen Presse. Dies kann und will das „Medienarchiv68“ nicht leisten. Dennoch ist es eine medien- und zeitgeschichtlich wichtige und nützliche Daten-Sammlung, die überdies zwischen den Zeilen auch durchaus Kurzweiliges und zum Schmunzeln Anregendes liefert.

Dirk Schulte

Zum Medienarchiv68: http://www.medienarchiv68.de/suche.html

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